Allgemein · Bestrahlung · Essen · Positive Gedanken

Ina gegen Karl – Bestrahlung 9/15

Liebes Tagebuch, wir schreiben heute Dienstag, den 14.11.2017 und Tag Nummer 9 meiner Bestrahlungstherapie.

Noch weitere 6 Tage und ich habe es geschafft.
Mal schauen ob die ganze Prozedur dann auch was gebracht hat (nachdem ich den Eintrag am 10.02.2020 verfasse, scheint es so. 😉 )

Ich beschließe gerade nicht die restlichen 7 Einträge dafür zu nutzen, euch zu berichten, wie ich tagein und tagaus in die Klinik fahre um die Bestrahlung zu bekommen. ich beschreibe euch viel mehr einfach mal, was eigentlich so in mir vor geht. Was sind die kreisenden Gedanken einer Krebspatientin…? Ich weiß es selbst nicht genau, denn ich kenne nur meine eigenen Gedanken und sonst keinen, der gerade das Gleiche durch macht wie ich.

Meine Taxifahrerin und ich unterhalten uns immer viel während den Fahrten in die Klinik und wieder zurück. Und eine Sache fiel mir da in den letzten Tagen extrem auf.
Ich habe mein persönliches Denken sehr verändert seitdem ich das Spiel gegen Karl angefangen hatte.
Einen Teil meiner vielen Gedanken bekamt ihr schon mit.
Ihr bekamt mit, wie ich mit spielerischen Leichtigkeit den Kampf begann, ebenfalls erfuhrt ihr bereits, dass ich zwischenzeitlich Hoffnung hatte und Dr. Justin Bieber sie mir wieder nahm. Ich bekamt mit, wie ich enttäuscht wurde und wie ich mich persönlich wieder aufraffte – oder es zumindest versuchte.
ehrlich gesagt weiß ich gerade auch nicht wirklich, was ich euch mit diesem Beitrag versuche zu erklären bzw. zu erzählen.

Ich merkte nur allmählich selbst, dass ich mich sehr veränderte. Eine ehemalige Freundin meinte mal, dass mir mein alter Freundeskreis nicht den Rücken kehrte, weil ich krank wurde, sondern weil ich zu einem Arschloch wurde.
Doch in wie fern wurde ich zu diesem.
Bei meiner Familie konnte ich verstehen, dass ich mich dahingehend ins negative veränderte. Man durfte mir eigentlich mit keinerlei Kritik kommen. Da blockierte ich komplett. Aber wundert es einen denn wirklich, dass ich empfindlich wurde bei Kritik, wenn ich seit Monaten nur von A nach B geschickt wurde, mir von wildfremden Menschen vorschreiben lassen sollte, wie ich nun die nächsten Monate zu leben hatte und ich eigentlich nichts hinterfragen sollte? Theoretisch wusste ich, dass meine Familie es nur gut meinte. Jeder Einzelne hatte Angst um mich und ging durch die Hölle, falls sie nicht sogar durch eine schlimmere Hölle gingen als ich, obwohl ich die Patientin war. Ich hasste es, dass ich zwar ein eigenständiger Mensch war, aber keine eigenen Entscheidungen treffen durfte. Alles wurde gegenargumentiert. Man beschrieb es so, dass ich mit meiner Gesundheit spielen würde, doch das empfand ich nicht so.
Ich war nicht mehr kritikfähig. Sehr viel empfand ich als einen persönlichen Angriff. Vor allem dahingehend, das ja keiner in meiner Haut steckte. Keiner das durch machte, was ich durchmachte und trotzdem offenbar jeder mehr wusste als ich, was mir gut tuen würde.
Es dauerte eine Weile, bis ich mal mit allen aus meiner Familie sprach und wir dann ein gegenseitiges Verständnis aufbauten. So viel gegenseitiges Verständnis, wie es halt zumindest möglich war. Ich war launisch und lies vieles an den falschen Menschen aus. Dafür entschuldigte ich mich auch. Seitdem gab es auch weniger Diskussionen. Man respektierte mehr meine Meinungen und meinen Willen.
Das war gut. Andersrum respektierte ich auch die Wünsche meiner Familie und achtete zumindest ein klein wenig mehr darauf, dass ich auf die Ärzte hörte.

Aber was nun zu dem Kommentar einer alten Freundin…
Ich wurde ein Arschloch gegenüber Außenstehenden. Das ist richtig. ich wollte nichts mehr mit den Menschen zu tun haben, die hinter meinem Rücken nur Bullshit laberten, aber wer will sowas schon. Also entschloss ich mich dazu, darauf nicht viel zu geben. Denn genau genommen, reagierte ich nur.

Aber Gott sei Dank (Was auch immer der damit zu tun hat) habe ich mich nicht nur so verändert. Ich habe mich auch positiv verändert. Wahnsinn wie man wieder Kleinigkeiten zu schätzen lernt. Dinge, die man vorher nicht unbedingt als selbstverständlich angesehen hat, aber trotzdem auch nicht als so speziell, wurden wieder wesentlich mehr ins Licht gerückt.
Einfach schon, wenn jemand seine Zeit her gab um sie mit mir zu verbringen, sei es nur eine halbe Stunde.
Oder das wildfremde Menschen, die ich kennenlernte mir mega Zuspruch gaben. Ich bekam Mut machende Worte von Leuten, die mich noch nie gesehen haben, aber mit denen ich dann Kontakt hatte und es sich anfühlte, als würde ich sie schon ewig kennen, nur weil sie mich bei meinem Schachspiel begleiteten, sei es körperlich oder mental.
All diese Leute, lassen mich tatsächlich noch an das Gute in der Menschheit glauben.

Daraus habe ich einfach gelernt, dass es durchaus an der eigenen Einstellung liegt, welche Menschen man anzieht.
Das war ein Schluss, den ich aus den Gesprächen mit meiner Taxifahrerin schloss.
Denke ich negativ und habe ich eine solche Einstellung gegenüber allem, dann ziehe ich auch solche Menschen an.
Doch denke ich positiv und suche nach den guten Dingen hinter allen Geschehnissen, dann ziehe ich positive Menschen an.
Und das wollte ich mir nun wieder einverleiben. Positiv Denken, egal was kommt. Schließlich habe ich es jetz soweit geschafft.
Da werde ich auch noch die letzte Schachfigur von Karl auf dem Spielfeld schlagen.

Heutiges Motto:
denk positiv, dann wird es positiv.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s